Die Normannen – ehemalige Herrscher der Normandie
Wer waren die Normannen? Die Normannen waren keineswegs ein geschlossener Volksstamm, vielmehr waren sie in kleine Gruppen zersplittert, die sich teilweise auch gegenseitig bekämpften. Sie entstammten den Germanen und wurden aufgrund ihrer skandinavischen Herkunft auch Wikinger genannt.
Durch die Zersplitterung in viele Kleingruppen herrschten viele Könige Seite an Seite. Des öfteren entstanden so interne Konflikte, die die Normannen als lose Gemeinschaft darstellten. Sie hatten oft kulturell und sprachlich wenig gemeinsam. Erst im späten 9. Jahrhundert schlossen sich einige Gruppen der Normannen zu einem größeren Verbund unter einem König zusammen.
Genau in diesem Jahrhundert trieb es die Wikinger nach Nord- und Mittelfrankreich. Sie bewegten sich entlang der Flüsse und plünderten Dörfer und Klöster. Generell waren die Normannen ein Volk, welches viel in der Welt herumkam. Sei es um Handel zu treiben oder sie auszuplündern. Besonders vertreten waren die Normannen, die vorwiegend aus Norwegen, Dänemark und Schweden kamen, in Schottland, Irland, Island, Frankreich und Russland.
911 bekamen die Wikinger das Land um Rouen, einer kleinen französischen Stadt. Aus diesem Gebiet entwickelte sich allmählich das Herrschaftsgebiet der Normannen in der Normandie. Rouen wurde zur Hauptstadt des normannischen Gebiets. Auch heute sind in Rouen noch Spuren normannischer Herrschaft zu erkennen. Wer seinen Urlaub in der Normandie macht, sollte auch im nördlich gelegene Rouen vorbeischauen.
Nach und nach erweiterte sich das normannische Reich bis in weite Teile Europas. Die ersten Siedler in der Normandie waren Dänen, erst später kamen Norweger nach. Im Gegensatz zu anderen Völkern schotteten die Normannen ihr Reich nicht ab – im Gegenteil sie ließen Einwanderungen zu und heirateten auch außerhalb des Volkes. Mit der Übernahme des Christentums, der die Voraussetzung für die Gebietsübertragung darstellte, wandten sich die Normannen langsam von ihren Wurzeln ab und adoptierten mit der Zeit das Verhalten der Einheimischen.
Als Völkerbund waren die Normannen später gut organisiert und sich eine eigene Kultur geschaffen. Gerade im Bereich der Verbundorganisation waren die Normannen für ihre Zeit im Vergleich zu anderen Völkern fortschrittlich. Sie bauten auf eine zentral ausgerichtete Führung und Organisation und waren in verschiedenen Gesellschaftsschichten organisiert, die von einer dünnen Oberschicht beherrscht wurde. Zudem entwickelten sie eine Art gemeinsames Parlament, das sogenannte Allthing.

